| Wo Gold nicht glänzt |
| Dienstag, 8. September 2009 | |
Ein Tagebauprojekt im Norden Costa Ricas gefährdet den wichtigsten Fluss Zentralamerikas. Torge Löding, voces nuestras | "Meine Familie und ich wehren uns gegen die Goldmine, weil es nicht sein darf, dass ein transnationaler Konzern unseren Frieden zerstört", sagt Rosa Goméz, Anwohnerin von Las Crucitas im Norden Costa Ricas, wo das Goldminentagebauprojekt Las Crucitas entstehen soll. Die Kleinbäuerin berichtet von zahlreichen lokalen und nationalen Protestaktionen, bei denen sie oder ihr Mann und die Kinder dabei gewesen sind. Bereits vor 17 Jahren installierte der transnationale Minenkonzern Vanessa Ventures mit Sitz in Kanada ein erstes Minencamp und begann mit der Erkundung der Goldvorkommen. Heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen Infinito Gold Ltd. und verfügt über erstklassige Kontakte in Politik und Wirtschaft. Präsident Oscar Arias erklärte, das Vorhaben habe 'nationalen Belang'. Daran änderte auch der Skandal nichts, der im März aufgedeckt wurde. Es kam heraus, dass die Ehefrau des damaligen Umweltministers Roberto Dobles eine Geschäftsbeziehung mit dem Minenunternehmen unterhält. Dobles trat zurück; ein Bauernopfer.
Die Bedrohung für die Umwelt berührt indes nicht nur die umliegenden Gemeinden. Nur drei Kilometer sind es vom Terrain des Minenunternehmens zum Rio San Juan, dem Grenzfluss mit Nicaragua. Der San Juan ist das größte und wichtigste Flussbecken Zentralamerikas. Er dient nicht nur als Transportader, viele Menschen leben von seinem Wasser und betreiben hier Fischerei. Zudem ist das Gewässer ein Touristenmagnet. Wiederholt äußerten sich RegierungsvertreterInnen aus Managua deshalb ablehnend gegenüber dem Minenprojekt. Auch soziale Folgen des Projektes sind spürbar: "Früher lebten die Menschen hier in Harmonie. Fast alle von Viehzucht oder Landwirtschaft, dazu kamen einige kleine Betriebe wie meine Sägerei. Wenn es eine Scheune zu bauen galt, packten alle Nachbarn mit an. In den Gemeindesälen feierten wir gemeinsam", sagt Guillermo Herrera Matamoros. Das habe sich mit der Präsenz der Minengesellschaft verändert, denn diese habe mit ihren Versprechen von Arbeitsplätzen und Fortschritt die Gemeinschaft gespalten. Die Versprechen blieben bisher unerfüllt. BefürworterInnen und GegnerInnen stehen sich indes noch immer unversöhnt gegenüber. "Wir werben für ein alternatives, umweltfreundliches Entwicklungsmodell", berichtet Kleinbauer Danilo Solis. Für die Region mit ihren Naturschönheiten sei "ländlicher, gemeindebasierter Tourismus" ein passendes Werkzeug, mit dem die AnwohnerInnen zu bescheidendem Wohlstand kommen könnten. |

Ein Tagebauprojekt im Norden Costa Ricas gefährdet den wichtigsten Fluss Zentralamerikas.
Es gibt in Zentralamerika keinen Ort, wo eine Goldmine eine andere Konsequenz gehabt hätte als Umweltzerstörung, Vergiftung des Wassers, Krankheit und mehr Armut für die Anwohner 